Für kaum eine Ressource liegen in der westlichen Welt realer und wirtschaftlicher Wert so weit auseinander wie für das Wasser. Obwohl ohne Wasser kein Leben möglich ist, ist es so günstig und scheinbar unbegrenzt verfügbar, dass man sorg- und gedankenlos damit umgehen kann. Diese Situation hat sich in Young Ones grundlegend geändert: In Teilen der USA hat es so lange nicht geregnet, dass die Felder ausgetrocknet sind, die Städte nahezu verlassen und sich die tägliche Arbeit um die Beschaffung von Wasser dreht. „Bete für Regen“ hat sich zum geflügelten Wort entwickelt, doch die Gebete blieben bisher ungehört. Ernest Homes hat sich dennoch entschlossen, mit seinen Kindern Jerome und Mary auf seiner Farm am Rande der neuen Wüste zu bleiben, weil er fest daran glaubt, dass alles, was seinem Land fehlt, Wasser ist – und dass er dieses schon irgendwie beschaffen kann. Seine Strategie baut auf harte Arbeit, Beharrlichkeit und Geduld. Genau so wichtig sind jedoch Wachsamkeit und Härte, denn wie im Wilden Westen ist jeder auf sich allein gestellt, wenn es darum geht, Besitz und Leben zu verteidigen. Ein weiterer Grund für Ernest, in der ungastlichen Gegend zu bleiben und diese notfalls mit der Waffe zu verteidigen, ist seine Frau, die sich nur mit Hilfe von Maschinen, die ihr die fehlenden Beine ersetzen, bewegen kann und die in einem Heim in der Nähe der Farm lebt.

Young Ones: Ohne Wasser werden die USA zum Wilden Westen

Eine Wasserleitung, die gerade über die Berge verlegt wird, könnte viele von Ernests Problemen lösen, doch die durch die Regierung bestimmten Empfänger sind ausschließlich Großbauern. Fast täglich zieht Ernest mit Jerome und seinem Esel zu den Arbeitern, um mit ihnen zu handeln und sie davon zu überzeugen, auch seine Farm an die Leitung anzuschließen. Doch die hartgesottenen Arbeiter lassen Ernest abblitzen. Als der Esel auf einer von Ernests Touren stürzt und Ernest ihn erschießen muss, wendet sich das Glück für die Familie noch einmal zum schlechteren, denn das letzte Geld muss nun für einen Roboter ausgegeben werden, der zwar die Lasten tragen kann, zu dem Ernest aber keine Beziehung aufbauen kann. Mary, die genug davon hat, zu Hause zu sitzen und das Geschirr mit Sand abzuwaschen, schmiedet derweil Ausbruch-Pläne mit ihrem Freund Flem, der es Ernest übelnimmt, dass dieser das Land von Flems Vater übernommen hat. Auch den Roboter, den Ernest von Flems Vater ersteigert hat, hätte Flem lieber selbst behalten, und die Tatsache, dass der Vater seiner Freundin ihm alles streitig zu machen scheint, macht diesen zu Flems Feindbild.

Eine neue, angepasste Generation von „Young Ones“

Young Ones skizziert in drei Akten eine dystopische Welt in einem durchaus realistischen Setting, denn schon heute gibt es Städte auf der Welt, in die das Trinkwasser mit Lastwagen gebracht werden muss, und in denen trotzdem Menschen wohnen und bleiben wollen. Dass beim Wettbewerb um eine so grundlegende Ressource wieder auf das Recht des Stärkeren zurückgegriffen wird und die Regierung sich lieber bedeckt hält, weil sie das eigentliche Problem ja ohnehin nicht lösen kann, ist ebenfalls ein sehr gut vorstellbares Szenario.

Neben dem Ressourcen-Mangel und der Frage nach dem Umgang mit – beispielsweise – Wasser befasst sich Young Ones auch mit der Frage, wie weit man gehen darf, um sein eigenes Überleben zu sichern. Diese jüngere Generation, die da heranwächst, ist auf Grund der ständig lebensbedrohenden Situation, die sie von Geburt an kennen, so pragmatisch, dass selbst der Verkauf des eigenen Babys in Betracht gezogen wird, um an ein bisschen selten gewordenes Geld zu gelangen.

Der stark durch seinen Vater geprägte Jerome bildet hier einen starken Kontrast zur Generation der angepassten „Young Ones“, indem er sich seinem Gewissen stellt und Verantwortung für andere übernimmt. Damit nimmt er jedoch eine Ausnahme-Stellung ein, denn das Leitbild seiner Generation ist eher der Pragmatismus von Flem, der einfach tut, was er tun muss, um in dieser Welt zu überleben. Soziale moralische Kontroll-Instanzen sind fast gänzlich ausgehebelt – Recht hat, wer überlebt. Der Konflikt zwischen Ernest und Flem ist ein Generationenkonflikt, der zwischen Flem und Jerome jedoch ist grundsätzlicherer Natur, denn in ihm geht es darum, wie die Menschheit in Zukunft leben soll, an welchen Werten sie sich ausrichten soll. Am Ende muss auch Jerome eine pragmatische Entscheidung treffen, die seinen Werten zuwider läuft, und dennoch endet der Film nicht pessimistisch.

Ein weiteres Thema des Films ist das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine, das in der Western-Atmosphäre des Films manchmal deplatziert wirkt und dadurch um so mehr ins Auge fällt. Angedeutet wird dies einerseits in der Maschinen-Abhängigkeit, in der sich Ernests Frau befindet, viel stärker jedoch noch in der Figur des Roboters, der zum Begleiter von Ernest und Jerome wird und sich zu einer Schlüsselfigur von Young Ones entwickelt – als stummer und geduldiger Beobachter.

Der Film feierte Weltpremiere auf dem Sundance Film Festival 2014. In Deutschland lief Young Ones nicht im Kino, sondern erschien im November direkt auf DVD.