Im Jahr 2054 hat sich einer der großen Träume der Menschheit erfüllt: Man muss sich die Hände nicht mehr selbst schmutzig machen. Mehr als 90% aller Menschen besitzen sogenannte „Surrogates“, menschen-ähnliche Roboter, die sie im Alltag bei allen Aufgaben ersetzen. Das Ganze funktioniert mittels neurologischer Fernsteuerung: Der „Operator“ liegt bequem im Stuhl zu Hause, empfindet durch die Sinne seines Surrogates und verlässt die Wohnung nicht mehr. Entsprechend ist die Kriminalitätsrate drastisch gesunken, denn auf den Straßen der großen Städte laufen nur noch Roboter herum, denen Verletzungen keinen Schaden zufügen. Nur ein paar Aussteiger haben sich in Roboter-freien Reservaten zusammengetan, um das „echte“ Leben nicht aus den Händen zu geben.

In dieser nahezu risikofreien Welt löst ein Doppel-Mord tiefes Entsetzen bei der Polizei aus: Ausgerechnet Jared Canter, Sohn des Surrogates-Erfinders Lionel Canter, wird mit einer Zufallsbekanntschaft vor einem Club ermordert. Wie das Ganze überhaupt möglich ist, stellt die Ermittler vor ein großes Rätsel, denn Canter und seine Begleitung waren selbstverständlich in Form ihrer Surrogates unterwegs. Doch irgendetwas muss sie derart getroffen haben, dass auch die friedlich zu Hause im Liegestuhl verharrenden Operator davon getötet wurden.

Surrogates: Das bessere Ich

Um eine Massen-Panik zu verhindern, wird zunächst eine Nachrichten-Sperre verhängt. Auf den Plan gerufen werden die beiden Polizisten Tom Greer (Bruce Willis) und seine Partnerin Jennifer Peters (Radha Mitchell), die zunächst im Umfeld von VSI ermitteln, dem Unternehmen, das die Surrogates herstellt und das den Mit-Gründer Canter ein paar Jahre zuvor aus der Geschäftsführung geworfen hat. Eine Waffe, die vom Surrogate auf den Operator „durchschlagen“ kann, kann sich angeblich niemand vorstellen, und doch ist Greer sich sicher, dass man sich schon ziemlich gut mit den Ersatz-Menschen auskennen muss, um ein Verbrechen wie das Geschehene ermöglichen zu können.

Surrogates – Mein zweites Ich scheint auf den ersten Blick aufs DVD-Cover – nicht zuletzt dank des action-liebenden Hauptdarstellers – eines dieser halbgaren Science Fiction-Action-Spektakel zu sein, die man sich getrost sparen kann. Dieses (Vor-)Urteil wird dem Film jedoch keinesfalls gerecht, denn nicht nur die Idee ist faszinierend, sondern auch die Details der Umsetzung. Mit den Surrogates erschaffen sich die Menschen einen Doppelgänger, der so ist, wie sie es gerne sein wollen: jünger, schöner, beweglicher – und doch im Kern sie selbst. Das ursprüngliche Ich bleibt zu Hause hinter verschlossenen Türen und wird nicht mal mehr – wie im Fall von Tom Greers Frau – dem Ehepartner zugemutet. So viel Oberfläche lädt natürlich ein zu religiösen und philosophischen Betrachtungen, und dass die „Keine Roboter“-Gruppierung um den „Propheten“ keine friedliebende Natur-Religion, sondern gewaltbereite Sekte, ist zeigt deutlich, was die anderen Menschen da zu Hause lassen.

Die Frage, die der Film sich stellt, lautet, ob man lieber ein unzulängliches, mit Fehlern und Mängeln behaftetes Leben führen möchte, oder eine perfektionierte Kopie davon. Auch wenn Surrogates – Mein zweites Ich die Antwort nicht ganz eindeutig vorgibt, so deutet schon die Tatsache, dass auch die Emotionen, die Nähe zu anderen, das Erleben in der zweiten Variante eine Kopie sind, darauf hin, dass es eigentlich nur eine sinnvolle Entscheidung gibt.
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