Ihr Leben ist eine ewige Wiederkehr, ein Tanz im Kreis, und alles scheint sich zu drehen: Sterne, Erde, Plattenteller, ein tanzendes Paar. Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton) kennen sich schon mehrere hundert Jahre, haben sich dafür aber noch recht gut gehalten, denn – wie schnell klar wird, auch wenn der Begriff selbst nie fällt – Adam und Eve sind Vampire. Mittlerweile führen sie eine durch und durch moderne Beziehung, leben etwa 7.000 km voneinander entfernt, sie in Tanger, er in Detroit. Beide haben sich an das 21. Jahrhundert angepasst, auch wenn Musik-Liebhaber Adam gedanklich den 1970ern verhaftet ist. Seltene E-Gitarren von Rock-Größen, Röhren-Fernseher und Plattenspieler bilden die Kulisse für sein zurückgezogenes Leben in den USA. Doch wie für seine in Marokko lebende Freundin gilt auch für ihn: Blut gibt’s nur über „saubere“ Kanäle. Beide beziehen ihr Grundnahrungsmittel vom jeweiligen Arzt ihres Vertrauens und halten sich ansonsten im Hintergrund und möglichst bedeckt.

Adam leidet unter dem endlosen Kreislauf der Zeit, unter den sich nie ändernden Bedingungen und einem „Leben“ ohne Aussicht auf neue Höhepunkte. Obwohl er über genügend Zeit und Geld verfügt, dass er einiges an Expertise und Musik-Instrumenten angesammelt hat, ist der Vampir mittlerweile so depressiv, dass er an Selbstmord denkt.

Only Lovers Left Alive: Angepasste Vampire des 21. Jahrhunderts

Eve, die selbst über Video-Chat merkt, dass mit ihrem Liebsten etwas nicht stimmt, macht sich auf den beschwerlichen Nachtflug-Weg nach Detroit, um Adam in seiner düsteren Stimmung beizustehen. Sobald die beiden wieder zusammen sind, spüren sie, wie der jeweils andere sie ergänzt und vollständig macht. Doch die Idylle hat schon bald ein Ende, denn Eves „Schwester“ Ava (Mia Wasikowska) lädt sich selbst bei Adam ein, um dort noch mal richtig Spaß zu haben.

Obwohl die Hauptfiguren in Only Lovers Left Alive Vampire sind, passen sie genau in die Reihe andere Charaktere aus den Filmen Jim Jarmuschs: einsam, melancholisch, verloren in der Großstadt klammern Eve und Adam sich aneinander, um Halt zu finden. Dabei ist Only Lovers Left Alive einer der zugänglicheren Filme Jarmuschs, wenn auch die Frage nach der Erzähl-Intention des Regisseurs Raum für Interpretationen lässt.

Adam und Eve, diese beiden von der Außenwelt Isolierten, scheinen wie Prototypen des modernen Menschen – entdweder angepasst und abhängig von moderner Technik oder aber der eigenen Zeit hinterher und vergangenen Jahrzehnten nachtrauernd. In jedem Fall aber ist es das wichtigste Anliegen der beiden, auf keinen Fall negativ aufzufallen, und sei es um den Preis der Selbstaufgabe. Was die beiden am Leben erhält, ist ihre Liebe, die – wie der gesamte Film – still und ereignisarm ist, nicht auf große Abenteuer baut, sondern auf tiefer Seelenverwandtschaft beruht.

Only Lovers Left Alive ist – wie bei Regisseur Jim Jarmusch zu vermuten – ein sehr untypischer, stiller und tiefer Vampir-Film, in dem es viel mehr um den modernen Menschen als um den modernen Vampir geht. Eher für Freunde von Independent-Filmen und natürlich von Jarmusch als für Genre-Fans.