Energie-Krisen, kurzsichtige Politiker und Leute, die glauben, dass sie es besser wissen – das gibt es nicht nur bei uns, sondern auch auf Krypton, dem Heimatplaneten der Familie El. Jor-El (Russell Crowe) versucht, auf den Ältestenrat Kryptons Einfluss zu nehmen, als deutlich wird, dass eine falsche Energiepolitik das Ende des Planeten bedeuten wird. Doch in Wirklichkeit ist längst alles zu spät. Der Weltuntergang steht bevor, und auch wenn der Rat seine Fehler einsehen würde – was er nicht tut -, gäbe es keine Chance mehr, die Katastrophe zu verhindern. Was jetzt noch bleibt, ist, den Fortbestand der Bevölkerung Kryptons zu sichern.

Doch während Jor-El noch versucht, die Regierung seines Planeten davon zu überzeugen, dass sein neugeborener Sohn Kal-El der Schlüssel zur Rettung sein kann, verübt General Zod (Michael Shannon) mit einigen Anhängern einen blutigen Putsch. Jor-El entschließt sich, auf eigene Faust das Erbe Kryptons zu retten, und sendet zusammen mit seiner Frau Lara den gemeinsamen Sohn in einer Kapsel in Richtung Erde. Während das Schicksal des Jungen ungewiss ist, schaffen es die Kryptonier zwar noch, Zod und seine Gefolgschaft gefangen zu nehmen und in die Verbannung zu schicken, gehen aber selbst mit ihrem Planeten unter.

Gut 30 Jahre später ist aus dem Säugling von Krypton ein Amerikaner mit übermenschlichen Kräften geworden. Als Clark Kent zieht Kal-El (Henry Cavill), der seinen ursprünglichen Namen gar nicht kennt, durch die Welt, auf der Suche nach seiner Herkunft und immer in Sorge, als das erkannt zu werden, was er ist: einer, der nicht dazu gehört.

Einsamkeit des „Man of Steel“

Die Einsamkeit, in der Clark Kent lebt, wurde ihm schon als Kind beigebracht, denn seinen Adoptiveltern war schnell klar, dass die Menschen nicht mit jemandem umgehen können, der anders – und besser – ist als sie. Also durfte Clark seine Superkräfte als Junge nie einsetzen, auch wenn ihm dies immer schwer fiel und mehr als einmal nicht gelang. Dass er nicht von dieser Welt ist, weiß Clark von seinem Vater (Kevin Costner), der alles daran gesetzt hat, aus seinem Adoptivsohn einen verantwortungsvollen Menschen zu machen. Nun, als Erwachsener, schafft Clark es, rechtzeitig zu verschwinden, bevor jemand sein Geheimnis entdecken könnte, und dennoch seine Kräfte einzusetzen, um Menschen zu retten. Während er sich von Job zu Job durchschlägt, hält er stets Augen und Ohren offen, und tatsächlich schnappt er eines Tages die Information auf, dass ein im Eis eingefrorenes UFO gefunden wurde. Clark ist nicht der einzige, der sich für das Raumschiff interessiert. Bei ihren Recherchen kreuzt die Journalisten Lois Lane (Amy Adams) den Weg des unbekannten Superhelden und ist von ihm so fasziniert, dass sie anschließend versucht, so viel wie möglich über ihn herauszufinden.

Doch nicht nur die Presse hat Superman auf seine Spur gebracht. In dem Raumschiff hat er ein Signal ausgelöst, das General Zod und seine Gefolgschaft auf seine Fährte gebracht hat, und dieser zögert nicht, die gesamte Menschheit zu bedrohen, um an den Sohn seines ehemaligen Widersachers und wichtige Informationen, die dieser bei sich trägt, zu gelangen. Doch Zod führt noch mehr im Schilde: Die Erde ist Krypton ähnlich genug, dass man den Planeten ohne allzu großen Aufwand für die Kryptonier „herrichten“ könnte. Dass für die ursprünglichen Bewohner dann kein Platz mehr bleiben wird, versteht sich von selbst. Superman, der von den Menschen an die Kryptonier ausgeliefert wird, ist am Ende die einzige Hoffnung der Menschheit.

Die Neuverfilmung „Man of Steel“ der Superman-Geschichten durch Watchmen- und 300-Regisseur Zack Snyder besticht neben ihrer Optik auch durch die Story, die an vielen Stellen psychologische Einsicht vor allem in die Figur des „Man of Steel“ gibt. Gerade die Beziehung zwischen Clark Kent und seinem Ziehvater wird besonders beleuchtet und sorgt für einige emotionale Momente. Die Einsamkeit, die der Außenseiter auf Grund seiner übermenschlichen Fähigkeiten schon als Kind erfährt und der Wunsch, dazu zu gehören, geben der Superman-Figur einen äußerst menschlichen Charakter, der sich zwischen zwei Vater-Figuren – dem verständnis- und sorgenvollen Adoptivvater Jonathan Kent und dem zum Deus ex Machina im Wortsinn gewordenen leiblichen Vater Jor-El, dessen Geist – zum Mann entwickelt, der nicht nur seine Stärken, sondern auch seine Schwächen einzusetzen weiß.

Neben diesen emotionalen Szenen reißt „Man of Steel“ auch verschiedene gesellschaftskritische Fragestellungen an. Die Energiekrise auf Krypton, die zur Vernichtung des Planeten führt, kommt einem bekannt vor, und auch die Strategie, die Bevölkerung eines vielversprechenden Landstrichs zu Gunsten eigener Expansionsmöglchkeiten beiseite zu schaffen, haben wir Europäer bereits vor mehr als 500 Jahren recht erfolgreich und ebenso skrupellos wie Kryptons Putschisten in die Tat umgesetzt. Hier erinnert „Man of Steel“ an die Batman-Trilogie von Christopher Nolan, der auch in der Superman-Neuverfilmung als Produzent beteiligt war.

Bis in die letzte Nebenrolle ist „Man of Steel“ hochkarätig besetzt. Neben Kevin Costner und Russel Crowe spielen Lawrence Fishburne und – wie aktuell gefühlt in jedem zweiten Film – Amy Adams, die Lois Lanes Wandlung von der neugierigen Journalistin, die hinter der Sensationsstory des Jahres her ist, zur verantwortungsvollen Vertrauensperson für Clark Kent, absolut glaubwürdig verkörpert. Michael Shannon, der im letzten Jahr in „Take Shelter“ als von Visionen und Wahnvorstellungen Heimgesuchter überzeugte, gibt einen authentischen und differenziert dargestellten Schurken ab, und Henry Cavill, der seine Stirn zu jeder erdenklichen Emotion in Falten legen kann, sieht wirklich sehr gut aus.

Seine Comic-Herkunft kann „Man of Steel“ dennoch nicht leugnen. Dialogzeilen wie „Du bist ein Monster, Zod. Und ich werde dich aufhalten.“ kann man sich mit ausreichend Ausrufezeichen versehen wunderbar in einer Sprechblase vorstellen. Doch schließlich ist der Film auch eine Hommage an das Genre, und nicht nur die Dialoge, sondern auch die zahlreichen und ausgiebigen Action-Szenen sprechen die Fans gleichermaßen an. Leider geraten diese Action-Szenen gerade zum Ende hin zu einer einzigen Materialschlacht, die durch die häufige Ausrichtung der Szenen an möglichst guter 3D-Optik teilweise unnötig lang wirkt.

Von diesen Kleinigkeiten abgesehen ist „Man of Steel“ eine Empfehlung sowohl für Comic-Fans als auch für Freunde differenzierter Heldengeschichten, in denen selbst Superman nicht immer die richtige Antwort weiß.